IBIZA ONLINE Niklaus Schmid: Formentera


Auszug aus dem 3. Kapitel


Mai. Bob Dylans Pullover, Jennys Schaukelstuhl und Gabrielets Schwein



Mein Freund!
"Du lebst am Arsch der Welt ", schreibst Du. Ja, aber es ist der schönste, den ich je gesehen habe, und ich habe wahrhaftig lange gesucht, war auf Kreta und Korfu, auf den Seychellen und den Kanarischen Inseln. Und hier nun, nur zwei Flugstunden von Deutschland entfernt, sozusagen vor der Haustür, habe ich meine Trauminsel gefunden.
Aussteigen, mein Freund, ist ja noch leicht, überleben schon sehr viel schwieriger. Wie soll man sein Geld verdienen auf einer Insel, auf der sich Männer Jahrhunderte lang auf fremden Schiffen verdingen mußten? Auf einer Insel, deren Beitrag zur Spanischen Küche ein mit Tomate und Knoblauch abgeriebenes Brötchen ist?

Schwierig ist es ja schon, die Genehmigung zu erhalten, hier nur zu wohnen. drei Monate geht das als Tourist, danach muß man die "permanencia" beantragen. Dazu gehören Paßfotos, eine Bescheinigung des deutschen Konsulats in Ibiza und die Bestätigung einer Bank, daß der Antragsteller über mindestens 150.000 Peseten verfügt. Ob die Leute im Ausländeramt wohl wissen, daß sich die meisten den Betrag zusammenleihen?
Nach vielen Fragen und einer Woche Wartezeit kann man dann die Verlängerung abholen; sie gilt für drei Monate. Danach wiederholt sich das Spiel. Insgesamt drei solcher Permanencias sind nötig, erst dann kann man den Antrag auf die "residencia" stellen. Dazu benötigt man zwei Spanische Bürgen; der Antrag geht nach Madrid, und es dauert Monate. Telefonische Anfragen gelten nicht, immer wieder mußte ich nach Ibiza fahren. Beim letzten mal forderte mich der Beamte auf, meinen rechten, mit Tusche gefärbten Zeigefinger auf verschiedenen Dokumenten abzurollen. Ich hatte es geschaft. Für zwei Jahre bin ich nun Resident...




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