IBIZA ONLINE Niklaus Schmid: Formentera


Auszug aus dem 1. Kapitel


März. Künstler, Schelme, Träumer- aber für die Ziegen ist kaum noch Platz.



"Hoffentlich kriegen wir noch die > Joven Dolores <", sagt mein Sitznachbar, als die Maschine zum Landeanflug auf Ibiza ansetzt.
Knapper geht es nicht: Mit einem einzigen Satz hat der Mann, der eine Basttasche zwischen den Knien hält, kundgetan, daß auch er nach Formentera will und daß er sich in der Inselszene auskennt. Eingeweihte erkennen sich nun mal, und er gehört dazu. Seine Begleiterin ist beeindruckt.

Die Maschine fliegt eine Schleife. Da unten schimmert das Meer in allen Farbabstufungen von Hellgrün bis Dunkelblau. Tief dringen die Sonnenstrahlen ins klare Wasser. Aus der Luft sieht Formentera wie ein Hammer aus. Der Knubbel am Hammergriff ist die Hochebene LA MOLA. Manche sehen in der Inselform auch ein Seepferdchen; eins, das vom Kopf bis zum Schwanz achtzehn Kilometer lang ist. Und die Breite ? An der schmalsten Stelle scheinen sich die heranrollenden Wellen fast zu berühren; weiße Sandstrände beiderseits. Die Sicht ist klar, der nächste Industrieschlot, irgendwo auf dem Festland, fast hundert Seemeilen entfernt. Gut zu erkennen sind die beiden Salzseen im Norden und das Schachbrettmuster der Salinen, die guterhaltenen Piratentürme auf den markant ins Meer vorstoßenden Landspitzen, die weißen Bauernhäuser und die Natursteinmauern, die, einem großmaschigen Fischernetz gleich, das flache Land überziehen.

Ich bin, wieder einmal, ganz hingerissen. Die Insel wirkt noch schöner, als ich sie in Erinnerung hatte. Das macht die Entfernung, das macht die mehrwöchige Abwesenheit...




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