"Hoffentlich kriegen wir noch die > Joven Dolores
<", sagt mein Sitznachbar, als die Maschine
zum Landeanflug auf Ibiza ansetzt.
Knapper geht es nicht: Mit einem einzigen Satz hat der
Mann, der eine Basttasche zwischen den Knien hält,
kundgetan, daß auch er nach Formentera will und
daß er sich in der Inselszene auskennt. Eingeweihte
erkennen sich nun mal, und er gehört dazu. Seine
Begleiterin ist beeindruckt.
Die Maschine fliegt eine Schleife. Da unten schimmert
das Meer in allen Farbabstufungen von Hellgrün
bis Dunkelblau. Tief dringen die Sonnenstrahlen ins
klare Wasser. Aus der Luft sieht Formentera wie ein
Hammer aus. Der Knubbel am Hammergriff ist die Hochebene
LA MOLA. Manche sehen in der Inselform auch ein Seepferdchen;
eins, das vom Kopf bis zum Schwanz achtzehn Kilometer
lang ist. Und die Breite ? An der schmalsten Stelle
scheinen sich die heranrollenden Wellen fast zu berühren;
weiße Sandstrände beiderseits. Die Sicht
ist klar, der nächste Industrieschlot, irgendwo
auf dem Festland, fast hundert Seemeilen entfernt.
Gut zu erkennen sind die beiden Salzseen im Norden
und das Schachbrettmuster der Salinen, die guterhaltenen
Piratentürme auf den markant ins Meer vorstoßenden
Landspitzen, die weißen Bauernhäuser und
die Natursteinmauern, die, einem großmaschigen
Fischernetz gleich, das flache Land überziehen.
Ich bin, wieder einmal, ganz hingerissen. Die Insel
wirkt noch schöner, als ich sie in Erinnerung
hatte. Das macht die Entfernung, das macht die mehrwöchige
Abwesenheit...
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